Erste Zeugenbefragung

Veröffentlicht am 28.01.2015 um 14:33

Donauchemie

Heute fand die erste Zeugenbefragung im Untersuchungsausschuss statt. Reges Interesse der Medien, viele Fotografen, Kameras, Journalisten. Nachdem die Chefs von Wietersdorf sich ihrer Zeugenaussage entschlagen haben, weil sie als mögliche Beschuldigte in einem Strafverfahren gelten (sie werden wohl am besten wissen, warum!), sind heute „nur“ die Verantwortlichen der Donauchemie gekommen.

Ich befrage unsere Zeugen insbesondere nach den Diskrepanzen zwischen der Studie des Instituts G.U.T., die im Jahr 2008 verschiedene Entsorgungsvarianten untersucht hat, und den tatsächlichen Ausschreibungskonditionen.

Die von G.U.T. erstellte Variantenstudie geht nämlich davon aus, dass im Zementwerk Wietersdorf bei der Einbringung über den Calcinator bei 850-1100 Grad maximal 2,5-3 Tonnen Blaukalk pro Stunde eingebracht werden können. Bei angenommenen 7.680 Betriebsstunden im Zementwerk können so maximal 20.000 t des Kalks von der Deponie K20 pro Jahr verarbeitet werden. Daraus ergibt sich laut Variantenstudie eine Behandlungsdauer für die in der Ausschreibung enthaltenen 239.000 t Kalk von 12 Jahren.

Nun wurde aber in der Ausschreibung die Sanierungsdauer von 12 auf 10 Jahre verkürzt und zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, auch ein Anbot für eine Sanierung in nur 7 Jahren zu legen. Daraus ergibt sich dann eine jährliche Aufarbeitungsmenge von 35.000 t Kalk, das sind über 4t  pro Stunde. Diese deutliche Mehrmenge kann technisch nicht über den Calzinator eingebracht werden, sondern nur über die Rohmühle. Peter Schwei hat G.U.T. aber bereits 2007 mitgeteilt, dass das Rohmehl keinesfalls auf der kalten Seite (=Rohmühle) eingebracht werden darf, weil es sonst zu Schadstoffverschleppungen kommt. Das hat sich ja in tragischer Weise später auch bestätigt.

Meine Frage ist, warum niemandem bei der Donauchemie aufgefallen ist, dass die Entsorgung in einer kürzeren Frist zwangsläufig zu einer Aufgabe des Kalkschlamms an der falschen Stelle führen musste. Der Umweltbeauftragte Günter Szolderits, der sich fachlich sehr gut auskennt, meint, dass Wietersdorfer wohl in der Zwischenzeit eine Methodik hätte entwickeln können, wie die höheren Mengen an Blaukalk eingebracht hätten werden können. Hat Wietersdorf aber nicht, im Gegensatz zum niederösterreichischen Zementwerk Wopfing, wo es eine thermische Nachverbrennung gibt, in der CKW bei 900 Grad zuverlässig verbrannt werden.

Die in der Studie bevorzugte Variante D  (die thermische Verwertung in der Zementindustrie) war in der Variantenstudie der G.U.T. mit 36.303.000 € fast doppelt so teuer wie eine bereits 2001 genehmige Variante A (Sanierung der Deponie mittels Grundwasserspiegelabsenkung, Bodenluftabsaugung und Reinigungsmaßnahmen im Abstrom, 20.903.100 €), Unter Einbeziehung der Umweltziele lag die Variante A nur knapp vor dieser Variante  D (57 zu 55 zu 57). Die teurere Variante der Verwertung in der Zementindustrie wurde nur wegen der besseren Erreichung  der Umweltziele gewählt. Wenn nun aber in der Umsetzung Fehler gemacht werden, und das HCB statt bei hohen Temperaturen im Drehror zerstört zu werden in der Rohmühle verdampft und über das ganze Görtschitzzutal verteilt wird. dann kann das nicht der Sinn der teuren Entsorgungsvariante sein. Noch dazu, wo zwei Drittel der 37 Mio. an Entsorgungskosten von der öffentlichen Hand, spricht dem Steuerzahler getragen werden.

Von Szolderits erfahren wir auch, dass es zwar Beprobungen der einzelnen Chargen bezüglich des Quecksilbergehalts gegeben hat, nicht aber betreffend den Gehalt an chlorierten Kohlenwasserstoffen. Diese seien nur organoleptisch angesprochen worden (sprich, wenn´s stinkt, sind CKW darinnen). Am Geruch lassen sich aber nur die leicht flüchtigen Chlor-Kohlenwasserstoffe erkennen. HCB ist aber farb- und geruchlos und kann nur über Analysen identifiziert werden. Solche hat es aber nicht gegeben. Insofern entpuppen sich die Aussagen der Werksverantwortlichen bei unserem Besuch in Wietersdorf, es sei nur unbelasteter Kalk über die Rohmühle aufgegeben worden, als unwahr. Denn wenn es keine Beprobungen gegeben hat, konnte gar nicht zuverlässig festgestellt werden, welcher Kalk CKW-belastet und welcher unbelastet gewesen ist. Insofern sind wir heute also schon schlauer über die Geschehnisse im Zementwerk geworden, auch wenn es deren Chefs vorgezogen haben, nicht vorm Ausschuss zu erscheinen.

Aufsichtsratsvorsitzenden Geiger befrage ich noch nach den Details der Ausschreibung: Er meint, die Verkürzung der Sanierungsfrist sei nicht für den Zuschlag entscheidend gewesen. Was ich aus den Unterlagen weiß: Letztendlich war die 7-Jahre-Variante von Wietersdorf die billigste (sie war um rund 200.000 € günstiger als die 10-Jahres-Variante), deswegen wurde sie ausgewählt. Geiger sagt auch, dass es ein Interesse der Zementindustrie gab, den Kalkschlamm als Rohstoff zu verarbeiten.

Morgen geben wir die nächste Pressekonferenz. Da werden wir die Zusammenhänge erklären und neue, spannende Details bringen. Als Vorbereitung für die Zeugenbefragungen der nächsten Woche.