Freier Blick auf unsere Seen – gegen die Verbauung der Seeufer

Veröffentlicht am 12.11.2017 um 10:36

Wunderschön sind Kärntens Seen anzuschauen, die lieblich in die sanfte Landschaft eingebettet sind. Doch die Idylle ist durch die Verbauung rund um die schönsten Kärntner Seen immer stärker bedroht: Es gibt kaum noch freie Zugänge zum Seeufer. Überall schießen gesichtslose Appartementhäuser aus dem Boden. Zäune, Mauern und phantasielose Betonklötze verschandeln die Sicht auf die ehrwürdigen schönen Villen der Wörtherseearchitektur. Rund um den Wörthersee, den Millstätter See, den Faaker See und aktuell auch am Längssee spekulieren Investoren mit der Errichtung und dem Verkauf von Appartements und Zweitwohnsitzen.

Die Appartement-und Ferienhausanlagen, die rund um die Kärntner Seen aus dem Boden schießen, verbauen den Gemeinden die Zukunft. Die Errichtung von Ressorts, Appartements, Ferienwohnungen und anderen Zweitwohnsitzen in bester Lage am See beschert den Bauträgern enorme Spekulationsgewinne, ist aber für das Landschaftsbild, das Dorfleben und den Tourismus ein totales Desaster.

Zwischen 2001 und 2011 hat es eine Verdopplung der Zweitwohnsitze in den Wörtherseegemeinden gegeben. Maria Wörth hat beispielsweise einen Zweitwohnsitzanteil von mehr als 35%. Im Schieflinger Ortsteil Auen gibt es 140 Zweitwohnsitze, 70 weitere sollen realisiert werden. Hier macht der Anteil der Zweitwohnsitze schon 50% aus. Das sind die offiziellen Zahlen, die Dunkelziffer liegt höher, weil es auch Scheinanmeldungen gibt, um Zweitwohnsitzabgabe und Beschränkungen auf den Hauptwohnsitz zu umgehen.

Zweitwohnsitze verursachen für die Gemeinden hohe Infrastrukturkosten für die Verkehrserschließung, Müll- und Abwasserentsorgung und erhöhen die Belastung der Infrastruktur. Für den Tourismus sind die Zweitwohnsitze schädlich, weil sie die touristische Infrastruktur zu den sommerlichen Spitzenzeiten stark belasten, aber die sogenannten »kalten Betten« fast nichts zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Zweitwohnsitze bringen über Zweitwohnsitzabgabe den Gemeinden deutlich weniger Einnahmen als die Hauptwohnsitze über die Zahlungen im Rahmen des Finanzausgleichs.

Durch die erzielbaren hohen Preise für Appartments werden die Immobilienpreise in schwindelnde Höhen getrieben. Wohnungen und Wohnungen für Hauptwohnsitze werden somit für »NormalbürgerInnen« unerschwinglich, junge Menschen wandern aus den Seegemeinden ab, weil sie keinen leistbaren Wohnraum finden.

Das Orts- und Landschaftsbild leidet massiv unter der Verbauung. Die noch vorhandenen Frei- und Grünräume werden versiegelt, wichtige Blickachsen verstellt. Architektonisch sind viele der neu errichteten Appartements völlig anspruchslos, die charakteristischen Bauten der Wörtherseearchitektur werden durch die großvoluminösen Betonklötze erdrückt.

Das Dorfleben kommt in den Seengemeinden zum Erliegen, weil die Ferienanlagen abseits der Hauptsaison fast ausgestorben sind und die Zweitwohnsitzbesitzer kaum am Geschehen (z.B. Vereinsleben) im Ort teilnehmen.

Andere Bundesländer wie Tirol, Salzburg und Vorarlberg zeigen vor, dass es möglich ist, die Errichtung neuer Zweitwohnsitze zu begrenzen.

Wir Grünen setzen auf Landes- und Gemeindeebene Initiativen, um die Kärntner Seen vor der totalen Verbauung zu schützen.

Grüne Forderungen

  • Die Grünen fordern einen Stopp für die Errichtung von Zweitwohnsitzen rund um den See. Die Gemeinden sollen in ihren Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen sicherstellen, dass die Baulandbilanzen berücksichtigt und neue Baulandwidmungen nur sparsam erteilt werden, die Geschossflächenanzahl reduziert wird, um Spekulationen unattraktiv zu machen und die verbliebenen Grünräume in See-Nähe erhalten werden.
  • Wo durch Widmungen oder Verträge eine Nutzung als Hotel oder Hauptwohnsitz festgelegt ist, muss das auch überprüft werden. Die in der Kärntner Bauordnung bestehende Hintertüre, im Genehmigungsverfahren einen Hauptwohnsitz zu beantragen, diesen aber später (auch gegen die Festlegungen im Flächenwidmungsplan) in einen Zweitwohnsitz zu verwandeln, soll durch eine entsprechende Gesetzesänderung unterbunden werden.
  • Da die Gemeinden nicht in der Lage sind, dem Druck der Investoren standzuhalten (hier wird sogar mit Klagsandrohungen gegen GemeinderätInnen gearbeitet) müssen im Raumordnungsgesetz und im Gemeindeplanungsgesetz Regelungen geschaffen werden, um die Errichtung von neuen Zweitwohnsitzen über ein gewisses Ausmaß hinweg zu untersagen. Das Bundesland Tirol legt beispielsweise einen Zweitwohnsitzanteil von höchstens 8% in einer Gemeinde fest, weitere Zweitwohnsitze dürfen nicht errichtet bzw genehmigt werden.
  • In einer Freiflächenverordnung soll die Landesregierung festgelegen, dass wertvolle Grünräume von der Verbauung freizuhalten sind.
  • Ein Baukultur- und Gestaltungsbeirat soll die Gemeinden in Fragen der Baukultur beraten, um zu verhindern, dass weitere Betonburgen das Landschaftsbild am See verschandeln. Zur Gewährung von qualitätsvollen Bauprojekten in speziellen Lagen, bei städtebaulichen Besonderheiten, in sensiblen Quartieren oder bei Wohneinheiten ab einer bestimmten Größe soll beim Amt der Kärntner Landesregierung ein zentraler Gestaltungs- und Baukulturbeirat eingerichtet werden. Dieser Beirat soll möglichst früh in die Entwicklung von Bauprojekten eingebunden werden, ihm soll dabei eine vorprüfende und beratende Funktion zukommen. Der Beirat sollte aus drei bis fünf Mitgliedern bestehen, zwei dieser Mitglieder sollten aus anderen Bundesländern beigezogen werden. Die Mitglieder des Beirates sollten dabei besondere Kenntnisse auf dem Gebiet des Städtebaus, der Architektur, des Denkmalschutzes oder der Landschaftsplanung aufweisen.