Görtschitztal: Manch Erfreuliches, aber auch ein großes Fragezeichen

Veröffentlicht am 05.06.2016 um 18:53

Der Informationsabend der Bürgerinitiativen aus dem Görtschitztal zum Thema: „HCB-Gehalte in Boden, Pflanzen, Tieren und Produkten“ am Mittwoch war sehr informativ und aufschlussreich. Universitätsdozent Karl Buchgraber von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Raumberg-Gumpenstein hat in einem Forschungsprojekt die HCB-Gehalte in Futtermitteln, Milch und Fleisch in den Jahren 2014 und 2015 untersucht.

Die HCB-Messwerte sind seit dem November 2014 stark gesunken und liegen nun weit unter den Grenzwerten, in den meisten Fällen auch unter den Vorsorgewerten für die Bevölkerung im Görtschitztal. Der Austausch von stark und mittel belasteten Futtermitteln hat dafür gesorgt, dass die Kühe im Tal wieder unbelastetes Futter bekommen haben und hat dazu beigetragen, dass auch die HCB-Werte in der Milch stark abgesunken sind. Stark abgesunken vor allem in laktierenden Kühen, allerdings mit dem Nachteil, dass die Kälber dann einen Teil des HCBs aufgenommen haben.

HCB befindet sich jetzt noch in den obersten 2cm des Bodens, wird allerdings vom Humus stark gebunden. Die Bauern müssen beim Mähen darauf achten, das Gras hoch genug abzuschneiden, damit das Futter nicht mit Erde vermischt wird. Dann sind die HCB-Werte des geernteten Futters sehr gering. Auch in der Milch und im Muskelfleisch sind die HCB-Konzentrationen stark zurückgegangen. Probleme mit HCB gibt es am ehesten bei Nieren und dem Knochenmark.

Auch wenn es übertrieben erscheint zu behaupten, das Tal wäre wirklich sauber, so sind doch die Belastungen deutlich und merkbar zurückgegangen. Erleichterung, aber auch Misstrauen bei den Bauern und Anrainern. Solange das Zementwerk Wietersdorf Müll verbrennt fürchten alle, dass neue Schadstoffe dazukommen könnten, obwohl einige auch sagen, dass es jetzt weniger oft herausraucht, seit die Behörde strenger kontrolliert. Schon diesen Juni findet die behördliche Verhandlung über die Errichtung einer Nachverbrennungsanlage in Wietersdorf statt, nach dem Einbau sollte sich die Luftsituation weiter verbessern.

Ein riesengroßes Problem gibt es aber noch im Tal, das ist die Deponie K20 mit dem durch HCB, Quecksilber und anderen chemischen Stoffen verunreinigten Blaukalk. Rund um die Deponie gibt es noch immer erhöhte HCB-Werte im Boden und im Grünfutter. Der Anbau von Gemüse in Hausgärten nahe der Deponie kann nicht empfohlen werden. Einige landwirtschaftliche Flächen wurden jetzt umgebrochen (dadurch wird das HCB aus der Oberfläche in tiefere Bodenschichten verteilt) und Körnermais angebaut, der HCB weniger bindet als das Grünfutter.

Das Problem wird aber so lange nicht gelöst sein, als HCB aus der Deponie in die Umwelt entweichen kann. Die von der Donauchemie in Zusammenarbeit mit Umweltministerium bzw. KPC organisierte Ausschreibung für die Entsorgung des Deponiematerials musste vor einigen Wochen ergebnislos abgebrochen werden. Über die Ursachen dafür kann nur spekuliert werden, weil es keine offiziellen Informationen seitens der Donauchemie gibt.

Nun wird das Land Kärnten der Donauchemie vorschreiben, die Deponie fachgerecht zu sichern, bis eine geeignete Entsorgungsvariante gefunden werden kann. Was bedeutet das? Die Deponie wird oben abgedeckt, dadurch können HCB und andere chlorierte Substanzen nicht mehr in die Luft entweichen und die Umgebung belasten. Dann wird die Deponie mittels Dichtwänden an den Seiten gegen das Grundwasser abgedichtet. Der Grundwasserspiegel wird durch Abpumpen soweit abgesenkt, dass das Wasser nicht mehr den belasteten Boden unterhalb der Deponie erreichen kann, die Bodenluft wird abgesaugt und gereinigt. Wenn das so funktioniert, wie die Fachleute behaupten, dann sollten danach kaum noch chlorierte Substanzen von der Deponie ins Grundwasser gelangen.

Wirklich zufriedenstellend klingt das nicht für die meisten Bewohner des Görtschitztals, aber vielleicht ist es nicht die schlechteste Lösung: Denn bei dieser Variante muss das Deponiematerial nicht mehrfach umgelagert werden (was die Gefahr birgt, dass chlorierte Substanzen frei werden könnten), sondern wird gleich abgedeckt. Eines wird bei der Diskussion auch klar: Alle fürchten sich davor, dass im Zement doch wieder einmal Blaukalk verbrannt werden könnte. Nachdem die Variante „Zementwerk“ aber nur in der Theorie funktioniert hätte, in der Praxis aber katastrophal gescheitert ist, ist die Verarbeitung von Blaukalk in Wietersdorf wohl für immer passé.