„Ich sehe meine Brillenschaf-Lämmer, die wahrscheinlich alle verbrannt werden müssen…“

Veröffentlicht am 28.03.2015 um 10:02

Heute früh erreichte mich der Anruf einer Biobäuerin aus dem Görtschitztal. Was diese Frau zu erzählen hat, erschüttert mich, treibt mir die Tränen in die Augen, macht mich sprachlos.

Sie erzählt von ihrer Bio-Landwirtschaft, wo sie seltene Haustierrassen züchtet, Milch und Fleisch verarbeitet und direkt vermarktet. Eine Kreislaufwirtschaft, in der beispielsweise die anfallende Molke den Schweinen verfüttert wurde.

Bio, regional, vielfältig ausgerichtete Produktpalette: Sie hat alles richtig gemacht. Aber das Zementwerk hat alles falsch gemacht! Weil der Blaukalk im Zementwerk falsch eingebracht wurde, sind nun ihre Produkte stark mit Hexachlorbenzol verunreinigt. Ihr Mann hat sein Blut untersuchen lassen, auch hier die HCB-Werte stark überhöht.

Die Produkte können nun nicht mehr verkauft werden. Das im Herbst mit viel Arbeit eingebrachte Bioheu wurde mühsam wieder aus dem Stall entfernt. Vor allem die Sorge, wie es weitergeht, denn das HCB ist persistent, also fast unzerstörbar und immer noch in der Umwelt, es baut sich nur sehr langsam ab.

All die Manager, Werksverantwortlichen, Sachverständigen, Politiker und Juristen, die sich zu Wort gemeldet haben und die in den letzten Wochen vorm Untersuchungsausschuss ausgesagt haben, sollten einmal dieser Frau ins Gesicht sehen müssen und ihr zuhören. Dann würden sie nie mehr behaupten, alles richtig gemacht zu haben.

Mir ist noch die Aussage des für die Emissionen zuständigen Sachverständigen Zenkl im Ohr, der im Untersuchungsausschuss Empfehlungen zur Grenzwertvorschreibung als nicht notwendig erachtete, weil nur geringe Mengen an chlorierten Kohlenwasserstoffen im Blaukalk enthalten seien. Dass diese geringen Mengen hier im Görtschitztal hunderte Bäuerinnen und Bauern um ihre Existenz zu bringen droht, die Gesundheit der Menschen gefährdet und einen Millionenschaden verursacht hat, hatte der Sachverständige offenbar noch nicht realisiert.

Die Bäuerin hat w&p mit ihren Problemen konfrontiert, ihre Milch- und Fleischprodukte in w&p-Zentrale in Klagenfurt gebracht. Das Werk hat ihr „Nachbarschaftshilfe“ angeboten, doch sie will das Geld nicht nehmen. Denn sie will sich nicht zum Schweigen bringen lassen, sondern sie will, dass die Verantwortlichen ihr zuhören. Geld macht den Schaden nicht wieder gut. Ihr geht es um die Zukunft.

Einen Neustart kann es nur dann geben, wenn keine neuen Belastungen auf das Gärtschitztal zukommen. Die Biobäuerin ist besorgt. Nicht nur wegen dem, was geschehen ist, sondern wegen dem, was noch kommt. „Was passiert mit den tausenden HCB-belasteten Heuballen im Steinbruch von Wietersdorf? Werden die jetzt alle verbrannt“ lautet eine berechtigte Frage.

„Was passiert am 9. April bei der Besprechung über die weitere Vorgangsweise bei der Deponie?“ Sie hat Angst davor, dass Blaukalkverbrennung im Zementwerk weitergehen könnte. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Werksleitung, die Kontrolle durch Behörden und Sachverständige ist ihr abhanden gekommen. Dieser Mangel an Vertrauen ist neben den technischen Problemen, die bei der Entsorgung des Blaukalks gelöst werden müssen, sich ein ganz wesentlicher Faktor, der berücksichtigt werden muss!

„Ich sehe meine neugeborenen Brillenschaf-Lämmer, die wahrscheinlich alle verbrannt werden müssen…“ – was kann man da noch sagen?